Seit einem Jahrzehnt herrscht innerhalb der FIFA ein autoritäres Führungsprinzip, das Widerspruch systematisch unterdrückt. Präsident Gianni Infantino hat ein System etabliert, in dem Kritiker und Gegenstimmen gezielt ausgeschaltet werden. Dieses Verhalten widerspricht nicht nur grundlegenden demokratischen Prinzipien, sondern auch den eigenen Statuten des Weltverbandes – und müsste längst beendet sein.
Zehn Jahre Machtkonzentration ohne echte Kontrolle
SponsorSportsWire APIAPI notizie sportiveIntegra le notizie sportive nel tuo sito o app.Scopri →Die Strukturen der FIFA sind seit Infantinos Amtsantritt erheblich verschärft worden. Der italienisch-schweizer Funktionär hat es verstanden, Entscheidungsgewalt auf sich zu konzentrieren und alternative Stimmen systematisch zum Schweigen zu bringen. Was früher als Austausch zwischen verschiedenen Interessensgruppen innerhalb des Weltverbandes funktionierte, ist heute einer einseitigen Durchsetzung von oben herab gewichen.
Dies geschieht nicht offen, sondern subtil: Wer die Politik des Präsidenten hinterfragt, muss mit beruflichen Konsequenzen rechnen. Positionen werden nicht mehr vergeben, Ämter in Komitees werden neu besetzt, und unbequeme Personen finden sich außerhalb der Macht wieder. Das schafft eine Atmosphäre der Vorsicht und Selbstzensur, in der viele Funktionäre es vorziehen, ihre Bedenken für sich zu behalten.
Die Statuten als Papiertiger
SponsorTgBridgeAutomazione TelegramBridge e automazioni per i tuoi canali e gruppi Telegram.Scopri →Die FIFA besitzt ein umfassendes Regelwerk, das eigentlich Gewaltenteilung und kontrollierte Entscheidungsprozesse vorsieht. Die Statuten enthalten ausdrücklich Bestimmungen, die eine zu starke Konzentration von Macht in einer Hand verhindern sollen. Doch diese schriftlichen Garantien erweisen sich als zahnlos, wenn der Präsident des Verbandes selbst derjenige ist, der über ihre Einhaltung wacht.
Ein besonders kritischer Punkt ist die mangelnde Unabhängigkeit von Kontrollmechanismen. Der FIFA-Rat, der theoretisch die Exekutive überwachen sollte, besteht vielfach aus Personen, deren Karrieren von Infantino abhängig sind. Eine echte kritische Überprüfung findet nicht statt. Die ethischen Standards und Governance-Strukturen, die nach den Korruptionsskandalen der Vorgängerätzung etabliert wurden, wirken unter diesen Bedingungen wie eine Fassade.
Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit des Verbandes
Die innere Kultur der Einschüchterung schadet der FIFA erheblich. Sie sendet ein Signal an die gesamte Fußballwelt: Loyalität zählt mehr als Kompetenz, Gehorsam mehr als Gedankenfreiheit. Dies führt dazu, dass wichtige Fragen nicht gestellt werden, problematische Entscheidungen nicht hinterfragt werden, und Missbrauchspotenzial wächst.
Besonders bemerkenswert ist, dass dies geschieht, während der Weltverband nach außen hin Reformfähigkeit und Transparenz predigt. Die FIFA präsentiert sich als modernisierte Institution, doch intern funktioniert sie nach Prinzipien, die eher an autoritäre Regime erinnern als an eine internationale Sportorganisation des 21. Jahrhunderts.
Was müsste sich ändern?
Eigentlich sollte diese Situation längst unhaltbar sein – sowohl rechtlich als auch moralisch. Die Reformen nach der Korruptionswelle hätten zu echten Kontrollmechanismen führen sollen, nicht nur zu symbolischen Regelwerken. Eine unabhängige Überwachung von Infantinos Amtsführung, eine echte Gewaltenteilung und der Schutz von Mitarbeitern und Funktionären vor Repressalien wären notwendige erste Schritte.
Solange sich jedoch die einflussreichsten Verbände und Funktionäre nicht einig sind, diese Strukturen tatsächlich zu ändern, wird sich die Situation nicht verbessern. Es braucht Druck von außen – von den Nationalverbänden, von den Spielergewerkschaften, von den Fans und von den Medien – um echte Reformen durchzusetzen.
Die FIFA steht an einem Punkt, an dem klar wird: Ein System, das Widerspruch nicht toleriert, ist langfristig nicht tragbar. Ohne grundlegende Veränderungen wird der Weltverband weiterhin durch interne Spannungen und sinkende Glaubwürdigkeit belastet bleiben.